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Buckower Felder: 900 Wohnungen in Neukölln – und wie der Senat ein Bürgerbegehren aushebelte

Die Buckower Felder in Neukölln: rund 900 Wohnungen, Förderquote und Zeitachse – und wie der Senat das Bürgerbegehren gegen das Quartier aushebelte.

Immobilien Heute Redaktion 12 Min. Lesezeit
Übersichtsseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zu den Buckower Feldern mit Schrägluftbild und Projektinformationen

Die Buckower Felder sind ein großes Neubauquartier am südlichen Stadtrand Berlins: Rund 900 Wohnungen entstanden im Neuköllner Ortsteil Buckow – auf einer Fläche, die zuvor als letzte landwirtschaftliche Freifläche im Berliner Süden genutzt wurde. Federführend baute die landeseigene STADT UND LAND, die Planungshoheit lag beim Land Berlin. Im Dezember 2024 wurden die 900 Wohnungen übergeben; am 28. Oktober 2025 startete die Vermietung von 217 Wohnungen in den Bauabschnitten 7 und 8 mit Bezug ab 2026. Der Weg dorthin war politisch umstritten: Ein Bürgerbegehren gegen die Bebauung scheiterte 2015 nicht an den Unterschriften, sondern an einem Senatsbeschluss.

Die wichtigsten Kennzahlen des Projekts im Überblick:

MerkmalAngabeQuelle / Stand
ProjektträgerSTADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH (landeseigen); Planungshoheit Land Berlinberlin.de, 2026
LageOrtsteil Buckow, Bezirk Neukölln, südlicher Stadtrand Berlinsberlin.de, 2026
Flächerund 16 Hektarberlin.de, 2026
Wohnungenrund 900, davon etwa 700 durch STADT UND LANDberlin.de; STADT UND LAND, 2024
Förderquotemindestens 30 % öffentlich gefördert zu 6,50 €/m² nettokalt; faktisch rund die Hälfte miet- und belegungsgebundenberlin.de; Berliner Morgenpost, 2024
Baubeginn2021STADT UND LAND
ÜbergabeDezember 2024 (900 Wohnungen)STADT UND LAND, 10.12.2024
Vermietungsstart Bauabschnitte 7 + 828.10.2025, 217 Wohnungen, Bezug ab 2026STADT UND LAND, 28.10.2025

Was sind die Buckower Felder? Lage und Ausgangssituation

Die Buckower Felder liegen unmittelbar am südlichen Stadtrand Berlins im Ortsteil Buckow des Bezirks Neukölln. Umschlossen wird das rund 16 Hektar große Gebiet vom Buckower Damm, der Gerlinger Straße und dem Berliner Mauerweg. Bis zum Baubeginn wurde die Fläche vorrangig landwirtschaftlich genutzt – sie galt als letzte landwirtschaftliche Freifläche im Berliner Süden und gehört nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zu den wenigen landeseigenen Flächen mit großem Wohnungsbaupotenzial.

Umgeben ist das Quartier von aufgelockerten Zeilenbauten, Einfamilienhäusern, Schulen und einem Nahversorgungszentrum. Im Flächennutzungsplan ist das östliche Teilgebiet seit 1994 als Wohnbaufläche mit landschaftlicher Prägung dargestellt; Freiräume und Vegetationsstrukturen sollen dabei erhalten bleiben. Der Bebauungsplan 8-66 setzt eine drei- bis fünfgeschossige Wohnbebauung fest.

Vom Wettbewerb zum Bebauungsplan: Die Zeitachse

Die Planungsgeschichte der Buckower Felder reicht bis ins Jahr 2012 zurück. Die wichtigsten Stationen im Überblick:

  • 2012: Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung lobt gemeinsam mit dem Bezirksamt Neukölln und dem Liegenschaftsfonds Berlin einen nichtoffenen städtebaulich-landschaftsplanerischen Wettbewerb aus. Sieger ist die Arbeitsgemeinschaft ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft mbH mit GTL Landschaftsarchitekten (beide Kassel).
  • März 2013: Das Bezirksamt Neukölln leitet das Bebauungsplanverfahren 8-66 „Gerlinger Straße/Buckower Damm“ ein; im Juni/Juli 2013 folgt die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung.
  • Ab 2014: Die Bürgerinitiative „Rettet die Buckower Felder“ startet ein Bürgerbegehren gegen die Bebauung.
  • 3. Februar 2015: Der Senat stellt das Areal als Gebiet von außergewöhnlicher stadtpolitischer Bedeutung fest (§ 9 Ausführungsgesetz zum Baugesetzbuch) und zieht die Planungshoheit ans Land.
  • 7. August 2019: Der Bebauungsplan 8-66 wird festgesetzt, nachdem das Abgeordnetenhaus am 6. Juni 2019 zugestimmt hat.
  • 2021: Baubeginn.
  • 10. Dezember 2024: Übergabe und Erstbezug der 900 Wohnungen.
  • 28. Oktober 2025: Vermietungsstart für 217 Wohnungen in den Bauabschnitten 7 und 8; der Bezug erfolgt ab 2026.

Zwischen Wettbewerb und Festsetzung des Bebauungsplans lagen damit rund sieben Jahre – eine Zeitspanne, die auch auf den politischen Konflikt um das Bürgerbegehren und die anschließende Überarbeitung des Rahmenplans zurückgeht.

Infografik: Vom Wettbewerb zum Bebauungsplan: Die Zeitachse - 2012: Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung lobt gemeinsam mit dem...

Das Bürgerbegehren „Rettet die Buckower Felder“ und die Planungshoheit des Senats

Die Absicht, das Gebiet zu bebauen, stieß bei einem Teil der Anwohnerinnen und Anwohner auf Skepsis. Die Senatsverwaltung nennt drei zentrale Kritikpunkte: die Sorge vor höherer Verkehrs- und Lärmbelastung, eine mögliche negative Wertentwicklung der eigenen Immobilien und den Verlust des landschaftlichen Freiraums.

Ab 2014 versuchte die Bürgerinitiative „Rettet die Buckower Felder“, das Vorhaben über ein Bürgerbegehren zu stoppen: Die Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung sollte veranlasst werden, das Vorhaben erneut politisch zu diskutieren und das Bebauungsplanverfahren einzustellen. Für das Quorum waren mehrere tausend gültige Unterschriften erforderlich. Nach Angaben des Vereins Mehr Demokratie hatte die Initiative Anfang Dezember 2014 bereits rund 5.500 Unterschriften gesammelt; die Frist lief erst Ende Januar 2015 ab.

Dazu kam es nicht. Mit Beschluss vom 3. Februar 2015 erklärte der Senat die Buckower Felder gemäß § 9 des Ausführungsgesetzes zum Baugesetzbuch zum Gebiet von außergewöhnlicher stadtpolitischer Bedeutung. Die Entscheidung über den Bebauungsplan ging damit vom Bezirk auf das Abgeordnetenhaus über, die Verfahrensführung lag fortan bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Das laufende Bürgerbegehren wurde dadurch formal gegenstandslos – die Senatsverwaltung selbst bezeichnete es später als „obsolet“.

Die Kritik an diesem Schritt war erheblich. Nach Berichten des Lokalportals Qiez sprachen die Grünen von „Taschenspielertricks“ gegen die direkte Demokratie; auch CDU-Vertreter monierten, mitten im laufenden Verfahren seien die Regeln geändert worden. Der damalige Neuköllner Baustadtrat Thomas Blesing (SPD) erklärte: „Es kann nicht sein, dass dem Bürgerengagement der Boden entzogen wird.“

Parallel reagierte der Senat auf den Protest mit einem begleitenden Beteiligungsformat: Als Koordinator wurde mit BUND-Geschäftsführer Tilmann Heuser ein erklärter Gegner der Baupläne eingesetzt. Der Rahmenplan wurde überarbeitet, Werkstattverfahren und Öffentlichkeitsbeteiligung begleiteten die weitere Planung.

Bebauungsplan-Unterseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zu den Buckower Feldern mit Verfahrensablauf

Wohnungsmix, Förderung und soziale Infrastruktur

Festgesetzt durch den Bebauungsplan 8-66 sind im Plangebiet rund 900 Wohnungen möglich. Mindestens 30 Prozent davon sind öffentlich gefördert und werden zu einem Mietpreis von 6,50 Euro je Quadratmeter nettokalt vergeben. Tatsächlich ist nach Informationen der Berliner Morgenpost rund die Hälfte der Wohnungen mietpreis- und belegungsgebunden; die Mieten reichen demnach von 6,50 Euro bis knapp unter 17 Euro je Quadratmeter.

Die STADT UND LAND hat den Großteil des Quartiers mit rund 700 Wohneinheiten realisiert. Weitere 20 Prozent der zulässigen Wohngeschossfläche wurden von gemeinwohlorientierten Dritten, darunter Genossenschaften, errichtet; die Grundstücke stellt die STADT UND LAND dafür langfristig in Erbpacht bereit.

Das Angebot im Detail (Quelle: STADT UND LAND, Pressemitteilung vom 10.12.2024):

  • Wohnungen mit einem bis fünf Zimmern
  • eine Kita mit 180 Plätzen
  • Sonderwohnformen für Senioren und Geflüchtete
  • Gewerbeeinheiten sowie zwei Quartiersgaragen am Gebietsrand

Das erklärte Ziel der Planung ist die Versorgung breiter Bevölkerungsschichten mit Wohnraum – neben klassischen Mietwohnungen sind bewusst Angebote für neue Formen des Gemeinschaftswohnens vorgesehen.

Mobilität und Nachhaltigkeit im Quartier

Das Verkehrskonzept ist auf verkehrsreduziertes Wohnen ausgelegt. Stellplätze werden am Gebietsrand in zwei Quartiersgaragen konzentriert – rund 700 an der Zahl, deren monatliche Miete laut Berliner Morgenpost zwischen 60 und 90 Euro liegt. Seit September 2025 ergänzen zwei Jelbi-Punkte der BVG das Angebot, an denen Fahrzeuge zur gemeinschaftlichen Nutzung bereitstehen. Die öffentliche Erschließung erfolgt über die Buslinien M44, 744 und 172; eine Schienenanbindung existiert bislang nicht. Über die Buslinien bestehen nach Angaben der Senatsverwaltung Umsteigemöglichkeiten zum S- und U-Bahnhof Hermannstraße, zum U-Bahnhof Johannisthaler Chaussee sowie zum S-Bahnhof Flughafen BER Terminal 5; den U-Bahnhof Lipschitzallee erreicht man per Fahrrad in weniger als zehn Minuten.

Bei der Energieversorgung setzt das Quartier auf ein Nahwärmenetz: Die vorhandene Abwasserdruckleitung im Buckower Damm wird über Abwasserwärmerückgewinnung für die Wärmeversorgung genutzt, Photovoltaikanlagen auf den Dächern liefern den Strom für die Wärmepumpen. Die Wärmeversorgung gilt damit als CO2-neutral. Nach Angaben der Berliner Stadtwerke, die das Versorgungssystem errichtet haben, werden rund 2.240 kW Wärmeleistung klimaneutral bereitgestellt – für mehr als 900 Wohnungen und über 30 Gewerbeeinheiten. Mehr als 1.800 Solarmodule auf 33 Dächern produzieren mit einer Leistung von 743 kWp Strom für das Wärmesystem; gegenüber einer Erdgasversorgung entspricht das nach Unternehmensangaben einer CO2-Einsparung von 727 Tonnen pro Jahr. Für die innovative und ökologische Planung wurde das Quartier mit dem Berliner Klimaschutzpreis 2021 ausgezeichnet.

Dazu kommt ein Schwammstadt-Konzept: Eine multifunktionale Grünfläche im Westen des Plangebiets dient der Erholung sowie der Verdunstung und Versickerung von Regenwasser; Dach- und Fassadenbegrünungen sowie Baumpflanzungen ergänzen die wassernahe Oberflächenentwässerung. Nach Angaben der Berliner Stadtwerke wurden die Buckower Felder als eines der ersten regenwasser-abflusslosen Quartiere Berlins errichtet.

Stand 2026: Wie das Quartier heute aussieht

Im Dezember 2024 übergab die STADT UND LAND die rund 900 Wohnungen des neuen Quartiers. Beim Erstbezugsfest am 10. Dezember 2024 traten Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler und Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel auf; zu diesem Zeitpunkt waren bereits rund 100 Mietparteien eingezogen.

Am 28. Oktober 2025 startete das Unternehmen die Vermietung von 217 Wohnungen in den Bauabschnitten 7 und 8; der Bezug erfolgt ab 2026. Mit Stand Juli 2026 ist das Quartier weitgehend fertiggestellt. Für Projektentwickler und Bestandshalter sind die Buckower Felder damit ein Referenzfall dafür, wie landeseigene Flächen in Berlin mit hohem Förderanteil, Erbpacht-Modellen für Genossenschaften und eigener Energieinfrastruktur bebaut werden – und wie sehr politische Konflikte Planungsprozesse prägen können.

Häufige Fragen zu den Buckower Feldern

Wer baut die Buckower Felder?

Den Großteil realisiert die landeseigene STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH mit rund 700 der rund 900 Wohnungen. 20 Prozent der Wohngeschossfläche bauen gemeinwohlorientierte Dritte, etwa Genossenschaften, auf Erbpachtgrundstücken. Die Planungshoheit liegt seit 2015 beim Land Berlin.

Wie viele Wohnungen sind in den Buckower Feldern gefördert?

Mindestens 30 Prozent der Wohnungen sind öffentlich gefördert und werden für 6,50 Euro je Quadratmeter nettokalt vergeben. Tatsächlich ist rund die Hälfte der rund 900 Wohnungen mietpreis- und belegungsgebunden.

Warum wurde das Bürgerbegehren zu den Buckower Feldern gegenstandslos?

Der Senat erklärte das Areal mit Beschluss vom 3. Februar 2015 gemäß § 9 Ausführungsgesetz zum Baugesetzbuch zum Gebiet von außergewöhnlicher stadtpolitischer Bedeutung. Damit ging die Entscheidung über den Bebauungsplan vom Bezirk Neukölln an das Abgeordnetenhaus über; das auf bezirklicher Ebene laufende Bürgerbegehren verlor dadurch formal seinen Gegenstand.

Berlin plant weitere Quartiere auf landeseigenen Flächen, und auch andernorts entstehen vergleichbare Vorhaben. Wer die Entwicklung ähnlicher Projekte wie der Seestadt Mönchengladbach oder des Rosenberg-Quartiers in Heilbronn verfolgen will, findet in den Bauprojekt- und Stadtentwicklungsbeiträgen dieses Magazins laufend aktualisierte Hintergründe.

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