Clouth Quartier Köln: 1.200 Wohnungen auf dem Gelände der alten Gummiwarenfabrik in Nippes
Clouth Quartier Köln in Nippes: rund 1.200 Wohnungen auf dem Gelände der alten Gummiwarenfabrik. Akteure, Kennzahlen und aktueller Bau-Stand mit Quellen.

Das Clouth Quartier Köln ist ein großes innerstädtisches Konversionsprojekt in Nordrhein-Westfalen: Auf dem 14,5 Hektar großen Areal der ehemaligen Franz Clouth Rheinischen Gummiwarenfabrik in Köln-Nippes ist ein Stadtquartier mit rund 1.200 Wohnungen, Flächen für Gewerbe und Kreativwirtschaft sowie erhaltenen Industriedenkmälern entstanden. Entwicklerin ist die moderne stadt GmbH, eine gemeinsame Tochtergesellschaft der Stadtwerke Köln und der Stadt Köln. Stand Juli 2026 sind rund 1.100 der geplanten Wohnungen fertiggestellt; der letzte Bauabschnitt soll bis Sommer 2027 folgen. Dieser Beitrag bündelt die belegten Kennzahlen, Akteure und die Chronologie der Bauzeit – inklusive der Terminverschiebungen.
| Lage | Köln-Nippes, zwischen Niehler Straße und Johannes-Giesberts-Park |
|---|---|
| Entwicklerin | moderne stadt GmbH (Tochtergesellschaft von Stadtwerken Köln und Stadt Köln) |
| Städtebau | scheuvens + wachten mit Gerber Architekten (Quelle: moderne stadt) |
| Landschaftsarchitektur | KLA kiparlandschaftsarchitekten |
| Plangebiet | 14,5 Hektar (Quelle: moderne stadt) |
| Bruttogeschossfläche | rund 150.000 m² (Quelle: moderne stadt) |
| Wohnungen | rund 1.200 geplant, davon etwa 9 % über zehn Baugemeinschaften (Quelle: Wikipedia, Stand 2026) |
| Nutzungsmix | Wohnen, Gewerbe und Kreativwirtschaft (Kreativhof Clouth 104), Gastronomie, Kita, Freiflächen |
| Planungsrecht | Bebauungsplan nach städtebaulichem Realisierungswettbewerb 2009 rechtskräftig (Quelle: Wikipedia) |
| Baubeginn | 2014 nach Abriss und Sanierung; erste Wohnungen bezogen im Dezember 2015 (Quelle: Wikipedia) |
| Aktueller Stand | rund 1.100 von 1.200 Wohnungen fertiggestellt (Stand Juli 2026, Quelle: Wikipedia) |
| Projektabschluss | letzter Bauabschnitt Clouth.Tor 2 voraussichtlich Sommer 2027 (Quelle: Rundschau Online, 16.06.2025) |
Vom Industrieareal zum Stadtquartier: Lage und Vorgeschichte
Das Plangebiet liegt innenstadtnah im Stadtteil Nippes, eingefasst von der Xantener Straße im Norden, dem Johannes-Giesberts-Park im Osten, der Niehler Straße im Westen und der Seekabelstraße im Süden. Fast 140 Jahre lang produzierte hier die von Franz Clouth gegründete Rheinische Gummiwarenfabrik, zuletzt als Clouth Gummiwerke AG; 2005 wurde die Produktion stillgelegt. Bis dahin hatte das Werk hinter seinen Mauern über Jahrzehnte ein Eigenleben geführt – für die Umgebung blieb das Gelände weitgehend geschlossen.
Nach der Stilllegung erwarb die Stadt Köln das Areal und lobte einen städtebaulichen Realisierungswettbewerb aus, der 2009 durchgeführt wurde; anschließend wurde ein Bebauungsplan rechtskräftig. Grundlage der Planung wurde der Entwurf des Büros scheuvens + wachten mit Gerber Architekten, der vorsah, auf den vorgefundenen Strukturen aufzubauen und die denkmalgeschützten Hallen, Einfassungsmauern und Torgebäude in die Neuplanung zu integrieren. Abriss und Sanierung des Geländes dauerten bis 2013; die ersten Wohnungen wurden im Dezember 2015 bezogen (Quelle: Wikipedia, Artikel „Clouth Quartier“).
Akteure und städtebauliches Konzept
Entwickelt wird das Quartier von der modernen stadt GmbH, einer gemeinsamen Tochtergesellschaft der Stadtwerke Köln und der Stadt Köln. Die Stadt brachte das rund 15 Hektar große Areal 2012 in die Gesellschaft ein; die moderne stadt übernahm Abriss, Dekontamination und Erschließung, verkaufte baureife Grundstücke an Investoren, Bauträger und Baugruppen und führte mehrere Bauträgermaßnahmen in Eigenregie durch (Quelle: Geschäftsbericht 2025 der modernen stadt).
Die städtebauliche Grundlage lieferten scheuvens + wachten mit Gerber Architekten, die Landschaftsplanung das Büro KLA kiparlandschaftsarchitekten. Dessen Konzept „Von Grau zu Grün“ überführt die ehemalige Werksfläche in ein durchgrüntes Quartier mit neu angelegten Plätzen. Für die bauliche und soziale Durchmischung sorgt das Vergabemodell: Neben frei finanziertem Geschosswohnungsbau entstanden preisgünstiger und öffentlich geförderter Wohnraum sowie Stadthäuser und Baugruppen-Projekte, errichtet von wechselnden Bauträgern, Genossenschaften und Gemeinschaften.
Kennzahlen und Nutzungsmix im Clouth Quartier Köln

Das Plangebiet umfasst 14,5 Hektar mit einer Bruttogeschossfläche von rund 150.000 m². Geplant sind rund 1.200 Wohnungen für etwa 3.000 Menschen sowie Raum für rund 500 Arbeitsplätze (Quelle: moderne stadt). Der Nutzungsmix setzt sich aus vier Bausteinen zusammen:
- Wohnen: rund 1.200 Wohnungen im Mix aus frei finanziertem, preisgünstigem und öffentlich gefördertem Wohnungsbau sowie Stadthäusern.
- Baugruppen: etwa 9 % der Wohnungen (rund 105 Einheiten) entstehen über zehn ausgewählte Baugemeinschaften mit sechs bis 17 Wohnungen je Gruppe (Quelle: Wikipedia, Stand 2026).
- Gewerbe und Kreativwirtschaft: Der Kreativhof Clouth 104, ein Umbau denkmalgeschützter Werksgebäude durch das Büro Lepel & Lepel, bündelt Ateliers, Co-Working-Flächen, Gastronomie und ein Hotel.
- Infrastruktur und Freiraum: eine Kindertagesstätte für rund 120 Kinder sowie neu angelegte Plätze und Grünflächen.
Am Hochbau war die moderne stadt auch selbst beteiligt, etwa auf dem Baufeld MI 3a Ost am Luftschiff-Platz im Osten des Quartiers. Die übrigen Baufelder gingen an externe Investoren und Bauträger, darunter die Kölner Wohnungsgenossenschaft, die an der Ecke Xantener Straße/Josefine-Clouth-Straße 88 Wohnungen errichtete; der Bezug begann im Mai 2023 (Quelle: Rundschau Online, 16.06.2025).

Verkehr, Denkmalschutz und soziale Infrastruktur
Die Anbindung an den ÖPNV erfolgt über die Straßenbahnlinien 12, 15 und 16. Eine neue Durchwegung verbindet das Quartier mit dem angrenzenden Johannes-Giesberts-Park; der zentrale Treffpunkt ist der im August 2021 fertiggestellte Luftschiff-Platz (60 mal 128 Meter), dessen Name an die Luftschifffertigung der Clouth-Werke zu Beginn des 20. Jahrhunderts erinnert. Auch die Straßennamen – Am Walzwerk, Auf dem Stahlseil, Josefine-Clouth-Straße, Kautschukstraße – halten die Industriegeschichte lesbar.
Unter Denkmalschutz stehen rund 240 Meter Werksfassade an der Niehler Straße, die Hallen 17 und 18, die Toranlagen 1, 2 und 4 sowie das Verwaltungsgebäude (Quelle: Wikipedia). In der Halle 17 entstanden Wohnungen im industriellen Bestand, in denkmalgeschützter Substanz zudem der Kreativhof Clouth 104. Für die soziale Infrastruktur steht eine Kindertagesstätte mit rund 120 Plätzen, die von FROEBEL e.V. betrieben wird und seit März 2017 in Betrieb ist.
Nachhaltigkeit und Flächenrecycling
Das Nachhaltigkeitsprofil des Projekts beruht auf drei Säulen: Flächenrecycling auf einem ehemaligen Industriestandort statt Neuversiegelung von Außenflächen, die Dekontamination belasteter Bodenareale im Zuge der Erschließung sowie der Erhalt und die Umnutzung denkmalgeschützter Bausubstanz, die graue Energie im Bestand bindet.
Eine Lücke bleibt bestehen: Ein übergreifendes Quartierszertifikat – etwa ein DGNB-Quartierszertifikat – kommuniziert die Entwicklerin bislang nicht. Nachhaltigkeitsnachweise sind auf Ebene einzelner Gebäude dokumentiert, für das Gesamtquartier liegt öffentlich kein Zertifikat vor. Wer das Projekt als Benchmark für zertifizierte Quartiersentwicklung heranziehen will, muss daher auf Einzelnachweise zurückgreifen.
Bauzeit, Verzögerungen und aktueller Stand (Juli 2026)
Die ursprüngliche Zielvorgabe war ambitioniert: Bis Ende 2019 sollte ein fertiges Quartier mit rund 1.200 Wohnungen und 500 Arbeitsplätzen stehen, so die frühe Ankündigung der modernen stadt. Auf der Projektseite nannte die Entwicklerin später das Jahr 2021 als Fertigstellungstermin; externe Projektdatenbanken datierten den Abschluss auf 2023. Einzelne Bausteine zogen sich entsprechend: Der Kreativhof Clouth 104 wurde später fertiggestellt als zunächst angekündigt und erst zwischen 2021 und 2023 vollständig bezogen.
Die Hauptbauphase brachte zudem spürbare Belastungen für das Viertel: In der Hochphase rollten bis zu 500 Lkw täglich durch den Stadtteil (Quelle: DEAL-Magazin, 27.12.2016).
Stand Juli 2026 sind rund 1.100 der geplanten 1.200 Wohnungen fertiggestellt (Quelle: Wikipedia). Im Juni 2025 begann die Bebauung des letzten Bauabschnitts Clouth.Tor 2 am nordöstlichen Geländeteil; dort entstehen nach Presseberichten weitere rund 145 Wohnungen sowie ein Baustein mit Büros, Gastronomie, Musical-Akademie und Theatersaal nach einem Entwurf des Büros Nieto Sobejano. Die Fertigstellung ist für Sommer 2027 geplant (Quelle: Rundschau Online, 16.06.2025). Der Geschäftsbericht 2025 der modernen stadt, veröffentlicht im Juni 2026, meldet das Projekt als planmäßig weiterentwickelt: Nach Abschluss der laufenden Hochbauten durch Investoren stehen noch Erschließungsarbeiten an, die voraussichtlich 2027 abgeschlossen werden; die Abrechnung mit der Stadt Köln folgt im Jahr danach.
Für eine kommunale Großkonversion mit Altlasten, Denkmalintegration und mehr als einem Dutzend beteiligter Bauträger ist ein langer Zeitverlauf nicht ungewöhnlich – gleichwohl lagen die frühen Zieltermine deutlich daneben. Hinweise auf Insolvenzen oder Gerichtsverfahren rund um das Projekt liegen nicht vor. Die fachliche Bilanz fällt positiv aus: Das Quartier erhielt 2020 den Brownfield Award und wurde auf der Brownfield24 & Partner Convention im Oktober 2024 als bestes kommunales Konversionsprojekt ausgezeichnet (Quelle: moderne stadt).
Häufige Fragen zum Clouth Quartier Köln
Was befand sich vor dem Clouth Quartier auf dem Gelände?
Fast 140 Jahre lang die Franz Clouth Rheinische Gummiwarenfabrik, zuletzt als Clouth Gummiwerke AG. Die Produktion wurde 2005 stillgelegt; danach erwarb die Stadt Köln das Areal und initiierte die Neuentwicklung.
Wie viele Wohnungen entstehen im Clouth Quartier?
Geplant sind rund 1.200 Wohnungen – ein Mix aus frei finanziertem, preisgünstigem und öffentlich gefördertem Wohnungsbau sowie Baugruppen. Stand Juli 2026 sind etwa 1.100 davon fertiggestellt.
Wer entwickelt und baut das Clouth Quartier?
Entwicklerin ist die moderne stadt GmbH, eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke Köln und der Stadt Köln. Städtebau und Bebauungsplan stammen von scheuvens + wachten mit Gerber Architekten, die Landschaftsplanung von KLA kiparlandschaftsarchitekten. Gebaut haben zahlreiche Investoren, Bauträger, Genossenschaften und zehn Baugemeinschaften.
Ist das Clouth Quartier bereits vollständig fertiggestellt?
Nein. Der letzte Bauabschnitt Clouth.Tor 2 am nordöstlichen Geländeteil befindet sich seit Juni 2025 im Bau und soll bis Sommer 2027 fertig werden. Laut Geschäftsbericht 2025 der modernen stadt laufen die abschließenden Erschließungsarbeiten voraussichtlich ebenfalls bis 2027.
Einordnung und Ausblick
Das Clouth Quartier Köln gilt in der Branche als Referenzfall dafür, wie sich große Industriebrachen mitten im gewachsenen Stadtgebiet in gemischte Quartiere überführen lassen – mit erhaltener Denkmalsubstanz, öffentlicher Entwicklungshoheit und einem breiten Spektrum an Bauträgern und Baugruppen. Zu den vergleichbaren Konversionsprojekten in Deutschland zählen etwa das Gerling Quartier in Köln und das Holsten Areal in Hamburg. Für die Projektentwicklung ist das Projekt zugleich ein Lehrstück in Sachen Zeitplanung: Zwischen Wettbewerb 2009 und dem geplanten Abschluss 2027 liegen 18 Jahre. Mit der Fertigstellung von Clouth.Tor 2 und den abschließenden Erschließungsarbeiten geht dann eines der prägenden Kölner Stadtentwicklungsprojekte der vergangenen zwei Jahrzehnte zu Ende.
BauprojekteDie PV-Pflicht in Baden-Württemberg betrifft Neubauten und Dachsanierungen: Rechtsrahmen, Kosten, Speicher und Umsetzung für Immobilienprojekte im Überblick.
BauprojekteWie ein Rosenheimer Bauträger mit langjähriger Erfahrung hochwertige Neubauprojekte im Chiemgau für Kapitalanleger und Eigennutzer entwickelt – ein Marktüberblick für die Immobilienwirtschaft.
BauprojekteMedizinische Versorgung ist ein oft unterschätzter Standortfaktor. Die AURO AugenPraxisKlinik zeigt, wie fachärztliche Versorgung in Oberbayern organisiert ist.