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Medizinische Versorgung als Standortfaktor: Was das Eichsfeld für ländliche Regionen zeigt

Wie zwei Praxisstandorte und mobile Zahnmedizin im Eichsfeld die medizinische Versorgung im ländlichen Raum unterstützen und als Standortfaktor relevant werden.

Immobilien Heute Redaktion 9 Min. Lesezeit
Medizinische Versorgung als Standortfaktor: Was das Eichsfeld für ländliche Regionen zeigt

Wenn Projektentwickler, Bauträger oder Kommunen die Qualität eines Standorts bewerten, stehen klassische Faktoren im Vordergrund: Verkehrsanbindung, Breitbandversorgung, Gewerbeflächen und Bildungsangebote. Ein Kriterium rückt dabei zunehmend in den Fokus: die medizinische Grundversorgung. Ob Hausarzt, Apotheke oder Zahnarzt in vertretbarer Entfernung erreichbar sind, entscheidet mit darüber, wie alltagstauglich ein Wohnort tatsächlich ist gerade für ältere Menschen und für Familien, die zwischen Stadt und Land abwägen.

Für Vermieter, Hausverwaltungen und Projektentwickler ist das keine Nebensache: Die Versorgungslage beeinflusst, wie attraktiv ein Quartier langfristig bleibt. Wie ambulante Versorgung in der Fläche konkret organisiert werden kann, zeigt ein Beispiel aus dem thüringischen Eichsfeld.

Gesundheitsversorgung als weicher Standortfaktor

Für die Immobilienwirtschaft ist Gesundheitsversorgung mehr als ein sozialpolitisches Thema. Sie zählt zu den weichen Standortfaktoren, die Wohnattraktivität, Vermietbarkeit und langfristige Nachfrage beeinflussen. Während in Städten die Dichte an Ärztinnen, Ärzten und Therapeuten selbstverständlich erscheint, ist sie in ländlichen Kreisen kein Selbstläufer.

Für Bestandshalter und Projektentwickler lohnt daher der Blick darauf, wie Versorgung vor Ort tatsächlich organisiert ist: Gibt es wohnortnahe Anlaufstellen? Erreichen die Angebote auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität? Und ist die personelle Kontinuität gesichert? Zahnmedizin ist dabei ein guter Prüfstein, denn zahnärztliche Versorgung gehört zur Grundversorgung und ihr Fehlen fällt im Alltag schnell auf.

Dass sich diese Fragen auch jenseits von Stadtregionen positiv beantworten lassen, zeigt etwa die Zahnarztpraxis Claudia Kurbad. Die moderne Praxis für Zahnmedizin in der Region Eichsfeld ist an zwei Standorten im Norden Thüringens aktiv und ergänzt ihr Angebot um eine mobile Praxis, mit der Behandlungen auch außerhalb der Praxisräume möglich sind. Damit steht sie exemplarisch für ein Versorgungsmodell, das in dünn besiedelten Räumen an Bedeutung gewinnt ein Themenfeld, über das auch das Fachmagazin „im heute“ bereits berichtet hat, etwa im Beitrag zur Gesundheitsversorgung als Standortfaktor in Oberbayern.

Zwei Standorte, ein regionales Versorgungsnetz

Die Praxis ist an zwei Orten präsent: in Wintzingerode, einem Ortsteil von Leinefelde-Worbis, und in Großbodungen, einem Ortsteil der Gemeinde Am Ohmberg. Beide liegen im Landkreis Eichsfeld einer Region mit kleinteiliger Siedlungsstruktur, in der viele Wege mit dem Auto zurückgelegt werden. Zwei wohnortnahe Anlaufstellen verkürzen diese Wege spürbar. Gerade für ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen entscheiden solche Entfernungen darüber, ob Vorsorge und Behandlung regelmäßig wahrgenommen werden. Das Einzugsgebiet reicht nach Angaben der Praxis über die unmittelbare Region hinaus: Auch Patientinnen und Patienten aus Richtung Mühlhausen und Nordhausen werden hier behandelt.

Für die fachliche Kontinuität sorgt neben der Inhaberin, Dipl. Stom. Claudia Kurbad, ein festes Team: In Wintzingerode behandelt die angestellte Zahnärztin Nicole Hillmann, in Großbodungen die Zahnärztin Johanna Tüngerthal. Aus Sicht der Standortbetrachtung ist vor allem die räumliche Struktur interessant: Statt alle Kapazitäten an einem zentralen Punkt zu bündeln, verteilt das Modell seine Angebote auf zwei kleinere Orte und hält die Versorgung dort, wo die Menschen wohnen.

Wenn der Patient nicht in die Praxis kommen kann

Ein Punkt, der in der Debatte um ländliche Versorgung häufig zu kurz kommt, ist die Mobilität der Patientinnen und Patienten selbst. Ältere Menschen, Pflegebedürftige oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen können eine Praxis oft nur mit erheblichem Aufwand aufsuchen oder gar nicht. Notwendige Behandlungen werden dann verschoben oder bleiben ganz aus, mit Folgen für die Gesundheit. Genau hier setzt das dritte Standbein des Eichsfelder Modells an: die mobile Zahnarztpraxis.

Bei Hausbesuchen sowie in Einrichtungen des betreuten Wohnens und in Seniorenheimen in Leinefelde-Worbis und Umgebung kommt die Behandlung direkt zu den Patienten. Möglich macht das eine kompakte Technik: Der sogenannte Smart-Port Premium bündelt die wichtigsten Funktionen und Antriebe einer Behandlungseinheit in einem Koffer, der nach Herstellerangaben rund zwölf Kilogramm wiegt. Damit lassen sich vor Ort unter anderem durchführen:

  • Zahnsteinentfernung und Prophylaxe
  • Füllungen und Zahnentfernungen
  • Mundbehandlungen sowie kleinere Korrekturen an vorhandenen Zahnprothesen
  • Abdrücke für Reparaturen, Unterfütterungen oder Neuanfertigungen von Prothesen

Für Kommunen, Betreiber von Pflege- und Wohnangeboten und nicht zuletzt für Angehörige ist das ein praktischer Baustein: Zahnmedizinische Versorgung wird dort verfügbar, wo sie organisatorisch sonst häufig scheitert am Wohnort oder in der Einrichtung selbst. Zugleich entlastet eine solche aufsuchende Versorgung Angehörige und ambulante Pflegedienste, die andernfalls Transporte und Begleitung zu Terminen organisieren müssten. Gerade in Regionen mit wachsendem Anteil älterer Bewohner dürfte dieser Baustein an Gewicht gewinnen.

Breites Behandlungsspektrum und fachliche Kontinuität

Erreichbarkeit allein macht noch keine verlässliche Versorgung. Entscheidend ist auch, welches Leistungsspektrum vor Ort überhaupt verfügbar ist. An beiden Eichsfelder Standorten deckt die Praxis ein breites Feld der Zahnmedizin ab: von Kariesbehandlung, Endodontie und Parodontologie über Prothetik und Implantate bis zu Kiefergelenksbehandlungen, Prophylaxe und Vorsorge bei Kindern und Erwachsenen, Zahnaufhellung und Schnarchschienen. In Großbodungen kommt mit dem als PACT400 bezeichneten Verfahren eine photoaktivierte Laserbehandlung hinzu, die nach Angaben der Praxis etwa bei der Parodontitis-Therapie, bei Implantatentzündungen und bei der Wurzelkanalsterilisation eingesetzt wird.

Ein weiterer Aspekt ist die fachliche Kontinuität: In der Familie von Claudia Kurbad ist die Zahnmedizin seit vier Generationen vertreten. Aus dieser gewachsenen Erfahrung heraus betont die Praxis schonende, schmerzfreie und minimalinvasive Behandlungsmethoden sowie einen ganzheitlichen Blick, der Mundgesundheit im Zusammenhang mit dem gesamten Organismus betrachtet. Auch die Prophylaxe nimmt einen zentralen Platz ein. Für die Bewertung lokaler Versorgungsangebote sind solche Konstanten nicht unwichtig ein Angebot, das über Jahre personell und fachlich stabil bleibt, schafft Verlässlichkeit.

Was ländliche Versorgungsmodelle für die Regionalentwicklung bedeuten

Das Eichsfelder Beispiel lässt sich nicht eins zu eins auf jede Region übertragen – und muss es auch nicht. Es zeigt vielmehr, worauf es bei der Beurteilung medizinischer Infrastruktur im ländlichen Raum ankommen kann. Für Projektentwickler, Bestandshalter und Kommunen ergeben sich daraus konkrete Prüffragen: Gibt es mehrere wohnortnahe Anlaufstellen statt nur eines zentralen Standorts? Erreicht das Angebot auch Bewohnerinnen und Bewohner mit eingeschränkter Mobilität, etwa durch aufsuchende Angebote? Und ist das Spektrum breit genug, damit Patienten nicht für Standardbehandlungen in die nächste Stadt fahren müssen?

Gesundheitsangebote sollten bei Analysen ländlicher Wohn- und Gewerbestandorte künftig nicht als Randnotiz, sondern als eigener Prüfpunkt auftauchen im Idealfall vor Ort erhoben statt nur aus überregionalen Statistiken abgelesen. Denn wie das Beispiel aus dem Eichsfeld zeigt, entscheidet sich Versorgungsqualität häufig in den Details: in der räumlichen Struktur der Angebote, in der Anpassungsfähigkeit an eine älter werdende Bevölkerung und in der Kontinuität, mit der Praxen und ihre Teams über Jahre hinweg erreichbar bleiben.

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