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Freiham: Münchens neuer Stadtteil für 25.000 Menschen – und die U-Bahn kommt erst 2035

Freiham München: Fläche, Wohnungen, Kosten und Stand der U5-Anbindung im neuen Stadtteil – mit kritischer Einordnung von Verkehrslücke und Kostenrisiko.

Immobilien Heute Redaktion 21 Min. Lesezeit

Freiham in München ist das größte Stadtentwicklungsprojekt der Landeshauptstadt München: Auf rund 350 Hektar im Westen der Stadt entsteht ein komplett neuer Stadtteil, in dem im Endausbau mehr als 25.000 Menschen leben und rund 15.000 arbeiten sollen. Der Baubeginn liegt fast ein Jahrzehnt zurück, die ersten Wohnungen werden seit 2019 bezogen – doch die entscheidende U-Bahn-Anbindung an das Zentrum wird frühestens 2035 fertig. Für Projektentwickler, Investoren und Asset Manager ist Freiham damit gleichermaßen Referenzprojekt für großstädtische Stadtentwicklung und Beispiel dafür, wie lange die Infrastruktur hinter dem Wohnungsbau herhinken kann.

Die wichtigsten Fakten in Kürze:

  • Rund 350 Hektar Gesamtfläche im Münchner Westen, davon etwa 200 Hektar Wohngebiet nördlich der Bodenseestraße
  • Über 11.000 bis 11.500 Wohnungen für mehr als 25.000 Menschen im Endausbau, dazu rund 15.000 Arbeitsplätze
  • U5-Verlängerung seit 2024 im Bau, Inbetriebnahme frühestens 2035 bis 2040
  • Stand März 2026 rund 8.500 Einwohner; Fertigstellung des Gesamtprojekts bis 2040 geplant
  • Gesamtkosten laut Schätzung von 2019 rund 1,66 Milliarden Euro – eine aktualisierte Zahl liegt bislang nicht vor

Freiham im Steckbrief

KennzahlWertStand/Quelle
BauherrinLandeshauptstadt MünchenLandeshauptstadt München
LageMünchen-West, Stadtbezirk Aubing-Lochhausen-LangwiedLandeshauptstadt München
Gesamtflächerund 350 Hektar (ca. 250 Fußballfelder)Landeshauptstadt München
Wohnungen im Endausbauüber 11.000 bis 11.500Wikipedia/Landeshauptstadt München
Einwohnerzielüber 25.000Landeshauptstadt München
Arbeitsplätzerund 15.000Landeshauptstadt München
Gesamtkosten1,66 Mrd. EuroSchätzung 2019, keine Aktualisierung bekannt
Einwohner aktuellrund 8.500Stand 03/2026
Fertigstellung2040Landeshauptstadt München
U-Bahn-AnbindungU5-Verlängerung, Inbetriebnahme 2035–2040Stand 07/2026
Infografik: Freiham im Steckbrief Kennzahl: Bauherrin | Wert: Landeshauptstadt München | Stand/Quelle: Landeshauptstadt München Kennzahl: L...

Vom Entlastungsstadt-Konzept zum Stadtteil: die Geschichte Freihams

Die Idee, im Münchner Westen ein großes Siedlungsgebiet zu schaffen, ist deutlich älter als der aktuelle Bau. Bereits 1963 existierte in München das Konzept einer sogenannten Entlastungsstadt, die bis zu 60.000 Einwohner aufnehmen sollte. Aus dieser Planung wurde nie etwas Konkretes, doch der Grundgedanke – Wachstum am Stadtrand bündeln, statt die bestehenden Quartiere weiter zu verdichten – blieb in der Stadtplanung präsent. Jahrzehnte später griff die Landeshauptstadt die Idee in deutlich kleinerer Form wieder auf.

Namensgeber für den neuen Stadtteil ist das nahe gelegene Gut Freiham. Die historische Anlage prägt den Landschaftsraum am westlichen Stadtrand; das Stadtteilmanagement bezeichnet das Gut mit Gastronomie und Biergarten als „Genuss mit Geschichte" und Ausflugsziel gleich um die Ecke. Die Neubauplanungen, insbesondere das Gewerbegebiet im Süden, halten nach Angaben der Stadt respektvollen Abstand zur historischen Anlage.

Konkret wurde das Projekt in zwei Phasen: Das Gewerbegebiet südlich der Bodenseestraße (Bundesstraße 2) wird seit 2006 beziehungsweise 2007 realisiert – 2006 eröffnete dort als erstes größeres Einzelhandelsgeschäft ein OBI-Baumarkt, im Februar 2007 folgte ein IKEA-Möbelhaus. Der Wohnstandort nördlich der Bundesstraße folgte mit Baubeginn 2016. Vorher koordinierte ein Zweckverband die Entwicklung des Gebiets. Seitdem wächst der Stadtteil Abschnitt für Abschnitt; die ersten Wohnungen wurden 2019 bezogen. Für die Immobilienwirtschaft ist der lange Vorlauf bemerkenswert: Von der ersten Konzeptidee bis zum Einzug der ersten Mieter vergingen mehr als 50 Jahre – ein Zeitraum, der zeigt, wie viel Geduld großflächige Stadtentwicklung in einer deutschen Großstadt erfordert.

Aus planungsrechtlicher Sicht ist dieser lange Vorlauf kein Freiham-spezifisches Phänomen, sondern strukturell: Flächen dieser Größenordnung erfordern die Abstimmung zwischen Landesplanung, Stadtentwicklungsplan, Verkehrsplanung und Eigentümerinteressen, bevor überhaupt der erste Bebauungsplan aufgestellt werden kann. Dass München das Gebiet über Jahrzehnte als Entwicklungsreserve vorgehalten und nicht sukzessive an Einzelinteressen veräußert hat, wird in der Branche heute eher als Vorteil gewertet – die Stadt kontrolliert als dominierende Grundeigentümerin die Vergabe und kann städtebauliche Qualitäten, Mischung und Förderquoten durchsetzen, statt auf Marktmechanismen zu hoffen.

Freiham München in Zahlen: Fläche, Wohnungen und Bauabschnitte

Das Gesamtgebiet umfasst rund 350 Hektar und gliedert sich klar in zwei Teile: Südlich der Bodenseestraße liegt der Gewerbestandort, nördlich davon entsteht auf etwa 200 Hektar der Wohnstandort mit öffentlichen Plätzen, Geschäften, einem Schulcampus, einem Sportpark und einem großzügigen Landschaftspark. Die Stadt plant nach dem Leitbild „kompakt, grün, urban“ und baut bis 2040 in mehreren Abschnitten – nach eigenen Angaben nach den Grundsätzen der Inklusion.

Der erste Realisierungsabschnitt umfasst rund 85 Hektar mit etwa 4.500 Wohneinheiten. Dieser Abschnitt befindet sich seit Jahren im Bau, die Wohnungen werden seit 2019 schrittweise bezogen. Der zweite Realisierungsabschnitt soll rund 6.200 weitere Wohnungen bringen; im März 2026 fiel der Satzungsbeschluss für den zugehörigen Bebauungsplan – ein formaler Meilenstein, der den Weg für die zweite große Bauphase freimacht. Zusammen mit bereits realisierten Einzelprojekten ergibt sich die Zielgröße von über 11.000 bis 11.500 Wohnungen im Endausbau.

Für die Marktbeobachter relevant: Die Wohnungen entstehen in unterschiedlichen Trägerschaften. Neben privaten Bauträgern sind kommunale und genossenschaftliche Akteure aktiv; die Stadt vergibt Grundstücke gezielt auch an Wohnungsbaugenossenschaften und genossenschaftsähnliche Wohnprojekte. Damit hat der geförderte und preisgebundene Wohnungsbau im Stadtteil ein nennenswertes Gewicht. Stand März 2026 leben in Freiham rund 8.500 Menschen; das entspricht etwa einem Drittel des Endausbaus.

Die Trägerstruktur hat unmittelbare Auswirkungen auf das Marktprofil: Der hohe Anteil kommunaler und genossenschaftlicher Bauherren begrenzt den Anteil frei finanzierter Eigentumswohnungen und stabilisiert das Mietniveau unterhalb der Spitzenlagen der Münchner Innenstadt, wie sie auch der Mietspiegel München abbildet. Für institutionelle Investoren bedeutet das eine eingeschränkte Auswahl an erwerbbaren Beständen, zugleich aber eine planbare, politisch abgesicherte Quartiersentwicklung mit geringem Leerstandsrisiko – in einem Markt, in dem die Wohnungsknappheit die Nachfrage auch in Randlagen trägt.

BauabschnittUmfangStatus
Gewerbegebiet SüdGewerbestandort südlich der Bodenseestraßeseit 2006/2007 in Realisierung
1. Realisierungsabschnitt Nordca. 85 ha, rund 4.500 Wohneinheitenim Bau, Bezüge seit 2019
2. Realisierungsabschnitt Nordrund 6.200 WohnungenSatzungsbeschluss B-Plan 03/2026
Gesamtprojektca. 350 ha, über 11.000 WohnungenFertigstellung 2040 geplant

Stadtteilzentrum ZAM und der Nutzungsmix

Städtebaulich dominiert in Freiham der Geschosswohnungsbau, der durch gezielt gesetzte Hochpunkte strukturiert wird. Das Verbindungsglied zwischen dem Gewerbe im Süden und dem Wohnen im Norden soll das ZAM werden – das „Zentrum am S-Bahnhof“ an der neuen Haltestelle Freiham. Dort sind Handel, Nahversorgung und rund 350 Wohnungen geplant.

Das ZAM ist für die Funktionsfähigkeit des Stadtteils zentral: Ohne ein echtes Zentrum mit Versorgung, Plätzen und Treffpunkten droht genau jene Monostruktur, die Kritiker dem Projekt vorwerfen. Wie schnell sich das Zentrum mit Leben füllt, hängt auch davon ab, wann Einzelhandel und Gastronomie dort ausreichend Frequenz sehen – bei einem Stadtteil, der seine volle Einwohnerzahl erst in den 2030er-Jahren erreicht, ist das ein klassisches Henne-Ei-Problem der Quartiersentwicklung. Erst wenn mehrere Tausend zusätzliche Bewohner eingezogen sind, rechnen sich Vollsortimenter, Gastronomie und Dienstleistungen in einem neuen Zentrum dauerhaft.

Ergänzend sichert der Nutzungsmix über den Bodenseestraßen-Korridor die Versorgung in der Aufbauphase: Dort haben sich bereits Supermärkte, Discounter und Dienstleister angesiedelt, die den Stadtteil versorgen, bevor das ZAM seine volle Funktion erreicht. Für die Bewertung aus Investorensicht zählt außerdem die Sozialinfrastruktur: Schulcampus, Kinderbetreuung und Sportangebote sind in Neubaugebieten regelmäßig der Engpass, der über Zuzug und Verweildauer von Familien entscheidet. In Freiham wurde diese Infrastruktur von Beginn an mitgeplant – ein Unterschied zu vielen Siedlungen der Nachkriegszeit, in denen Schulen und Kitas erst Jahre nach den ersten Bewohnern folgten.

Verkehrsanbindung: warum die U5 erst 2035 nach Freiham München kommt

Die Verkehrsanbindung ist der am meisten diskutierte Punkt des Projekts. Heute erreichen Bewohner Freiham vor allem über die S-Bahn-Linie S8 und Busse. Die für die langfristige Erschließung entscheidende U-Bahn – die Verlängerung der U5 vom Laimer Platz über Pasing nach Freiham – befindet sich erst seit 2024 im Bau. Nach aktuellem Stand (07/2026) ist die Inbetriebnahme zwischen 2035 und 2040 vorgesehen. Als Bauvorleistung entstand bereits ein Vorhaltebahnhof Freiham-Zentrum.

Daraus ergibt sich eine bemerkenswerte Konstellation: Der Wohnstandort wächst seit 2016, die erste Bewohnergeneration zieht seit 2019 ein – die U-Bahn kommt rund 20 Jahre nach Baubeginn. Wer heute in Freiham wohnt, wird im ungünstigsten Fall erst 2040 mit der U-Bahn direkt angebunden. Für ein Projekt, das sich selbst als städtisches Quartier mit kurzen Wegen versteht, ist das eine erhebliche Einschränkung, die auch bei der Vermarktung und der Wertentwicklung der Wohnungen eine Rolle spielt.

Die Stadt reagiert auf diese Lücke mit einem autoreduzierten Mobilitätskonzept: Der Stadtrat beschloss 2020 ein Bündel von Maßnahmen, darunter Carsharing-Angebote, Bikesharing, eine Quartiersgaragen-Logik und andere Bausteine, die den Individualverkehr mit dem eigenen Pkw reduzieren sollen. Das Konzept gilt als eines der anspruchsvolleren Mobilitätsprogramme für ein deutsches Neubaugebiet. Zugleich zeigt die Praxis die Schwierigkeiten: Freiham ist nach Angaben des Stadtteilmanagements ein autoreduzierter Stadtteil – ob die Mobilitätswende im Alltag der ersten Bewohner vollständig gelingt, wird sich erst in der Praxis der kommenden Jahre zeigen.

Für Investoren und Projektentwickler ist die Verkehrslage zweischneidig: Kurzfristig dämpft die fehlende U-Bahn die Attraktivität, mittelfristig ist die gesicherte U5-Trasse mit bereits begonnenem Bau ein planbarer Werttreiber. Wer heute in Freiham positioniert ist, spekuliert faktisch auf den Anschluss an das U-Bahn-Netz in der ersten Hälfte der 2030er-Jahre.

Hinzu kommt die Abhängigkeit von übergeordneten Infrastrukturprojekten: Die S8 profitiert wie alle Münchner S-Bahn-Linien von der geplanten zweiten Stammstrecke, deren Fertigstellung die Taktstabilität im gesamten Netz verbessern soll. Bis dahin bleibt die S-Bahn-Anbindung von Freiham anfällig für die bekannten Staus im Münchner Netz. Die bisherigen Erfahrungen mit großen Bahnprojekten in München – bei Kosten wie Terminen – legen zudem nahe, das Zeitfenster 2035 bis 2040 für die U5 eher am oberen Ende einzuplanen. In Asset-Bewertungen sollte das Szenario einer U-Bahn-Eröffnung nahe 2040 daher als Basisfall gerechnet werden, nicht als Pessimismus.

Nachhaltigkeit: Tiefengeothermie aus 3.000 Metern Tiefe

Energetisch setzt Freiham auf Fernwärme aus Tiefengeothermie. Die Energiezentrale an der Bodenseestraße läuft seit Herbst 2016 und nutzt heißes Tiefengrundwasser aus rund 3.000 Metern Tiefe. Die Wärme wird über das Fernwärmenetz in den Stadtteil geliefert; erdseitig ist die Infrastruktur damit unabhängig von fossilen Brennstoffen vor Ort.

Das Ziel der Landeshauptstadt ist eine bis 2040 CO2-neutrale Fernwärmeversorgung – ein Anspruch, der über Freiham hinausweist und Teil der stadtweiten Wärmewende ist. Für die Immobilienwirtschaft ist das Konzept in zweierlei Hinsicht relevant: Erstens adressiert es die ESG-Anforderungen institutioneller Kapitalgeber, die Quartiere mit fossilfreier Wärmeversorgung zunehmend als Investitionskriterium betrachten. Zweitens zeigt Freiham, dass großflächige Geothermie-Fernwärme in der Praxis funktioniert – allerdings auch, dass solche Infrastruktur Vorlauf braucht und sich am besten in Neubaugebieten mit einheitlicher Planung realisieren lässt, nicht im Bestand.

Ein dritter Aspekt betrifft die Betreiberkosten: Quartiere mit zentraler Fernwärme aus Geothermie sind gegenüber Gaspreisschwankungen weitgehend immun, was die Nebenkosten der Bewohner stabilisiert und das Ausfallrisiko bei Mieten reduziert. Die geologischen Voraussetzungen – das Malm-Reservoir unter München mit seinen heißen Tiefenwässern – machen die Region zu einem der wenigen Standorte in Deutschland, an denen Tiefengeothermie in diesem Maßstab wirtschaftlich darstellbar ist. Freiham dient hier gewissermaßen als Demonstrationsobjekt dafür, wie die Wärmewende auf Quartiersebene aussehen kann.

Aktueller Entwicklungsstand: was das Stadtteilmanagement meldet

Wie lebendig die Baustelle Stadtteil ist, zeigt der Blick auf die laufenden Meldungen. Das Stadtteilmanagement informiert regelmäßig über Grundstücksvergaben, neue Wohnungen und den Aufbau der Nahversorgung. Aus dem Sommer 2026 stammen unter anderem Meldungen zu einer neuen Einkaufsmöglichkeit und einer neuen Arztpraxis an der Wiesentfelser Straße (8. September 2026), zu einem von der Erzdiözese München und Freising geplanten, mehr als 32 Meter hohen begehbaren Kunstwerk an der Albert-Camus-Straße (28. August 2026), zur Ausschreibung zweier neuer Grundstücke zum Erwerb eines Erbbaurechts durch die Landeshauptstadt (20. August 2026), zu einem fertig eingerichteten Gemeinschaftsraum der Baugemeinschaft „gemeinsam freiham“ (11. August 2026) sowie zu einem Zukunftspreis der Immobilienwirtschaft für das Projekt wagnisWEST (3. August 2026).

Diese Nachrichtenlage vermittelt ein realistisches Bild: Freiham ist keine fertige Stadt, sondern ein Quartier im Aufbau, in dem Versorgung, Mobilität und Nachbarschaft parallel zum Wohnungsbau nachgezogen werden. Stand Juli 2026 dokumentiert das Stadtteilmanagement damit einen Baufortschritt, der sich in konkreten, alltagsnahen Schritten misst – eher in Arztpraxen und Grundstücksvergaben als in spektakulären Eröffnungen. Für Branchenbeobachter ist die Frequenz der Meldungen zugleich ein Gradmesser dafür, wie gut die Stadt das Projekt kommunikativ begleitet.

Der entscheidende planungsrechtliche Schritt des Jahres war der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan des zweiten Realisierungsabschnitts im März 2026. Damit ist die Grundlage für rund 6.200 weitere Wohnungen gelegt – mehr als die Hälfte des gesamten Wohnungsbauprogramms. Wann dort die ersten Bauanträge gestellt werden und welche Träger zum Zug kommen, wird über die tatsächliche Dynamik der zweiten Projektphase entscheiden. Angesichts der aktuellen Zins- und Baukostenlage ist zu erwarten, dass kommunale und genossenschaftliche Träger auch im zweiten Abschnitt eine überdurchschnittliche Rolle spielen werden, während private Bauträger ihre Engagement-Entscheidungen stärker an der Entwicklung der Finanzierungskonditionen ausrichten.

Kritik und offene Fragen: Verkehrslücke, Kostenrisiko, Schlafstadt-Debatte

Die 20-jährige Nahverkehrslücke

Der schwerste strukturelle Kritikpunkt betrifft die zeitliche Schere zwischen Wohnungsbau und Schienenanschluss. Der Stadtteil wächst seit 2016, die U5 wird frühestens 2035 fertig – dazwischen liegen rund 20 Jahre, in denen Freiham ohne U-Bahn auskommen muss. Zwar kompensieren S-Bahn und Busse einen Teil, und das Mobilitätskonzept ist ambitioniert. Doch für ein Quartier dieser Größenordnung bleibt die verspätete Hochbahn-Anbindung ein planerischer Schwachpunkt, der sich nicht wegdiskutieren lässt.

Das Kostenrisiko ohne aktualisierte Schätzung

Die zuletzt bekannte Gesamtkostenschätzung stammt aus dem Jahr 2019 und liegt bei rund 1,66 Milliarden Euro. Seitdem hat die Baubranche eine Phase deutlicher Kostensteigerungen erlebt: Baupreise, Zinsen und Materialkosten haben sich seit 2019 spürbar verteuert. Eine aktualisierte Gesamtkostenzahl für Freiham liegt bislang nicht vor. Für ein öffentlich getragenes Projekt dieser Größenordnung ist das ein legitimer Diskussionspunkt – auch wenn klar ist, dass die 1,66 Milliarden Euro in erster Linie die städtische Infrastruktur betreffen und nicht die Baukosten der privaten und genossenschaftlichen Träger.

Methodisch ist Vorsicht geboten: Eine lineare Fortschreibung der 2019er-Schätzung mit dem Baupreisindex wäre spekulativ, weil sich Leistungsumfang, Bauabschnitte und Finanzierungsstruktur geändert haben können. Seriös ist daher nur die Feststellung, dass die reale Kostenentwicklung mit hoher Wahrscheinlichkeit oberhalb der alten Schätzung liegt – und dass die fehlende Aktualisierung die öffentliche Debatte über die Wirtschaftlichkeit des Projekts erschwert. Für die Stadt bedeutet das ein Kommunikationsproblem; für private Akteure, die Grundstücke in Freiham erwerben, ändert es am individuellen Projektgeschäft wenig, da ihre Kalkulationen ohnehin auf aktuellen Marktpreisen beruhen.

Der Vorwurf der Schlafstadt

Dritter Punkt ist die Schlafstadt-Debatte: Kritiker warnen, Freiham könne zu einem reinen Wohngebiet werden, aus dem die Menschen morgens zur Arbeit fahren und in dem abends wenig passiert. Die Stadt kontert mit dem Nutzungsmix – 15.000 geplante Arbeitsplätze im Gewerbegebiet Süd, das ZAM mit Handel, Schulcampus, Sportpark und Landschaftspark. Ob daraus echte städtische Nutzungsmischung entsteht, entscheidet sich erst, wenn der Stadtteil seine volle Größe erreicht und das Zentrum tatsächlich bespielt ist. Bis dahin bleibt der Vorwurf weder bewiesen noch widerlegt; er beschreibt ein Risiko, das jeder großflächigen Neubausiedlung innewohnt – ähnliche Debatten begleiteten auch den Riedberg in Frankfurt und die HafenCity Hamburg in ihren frühen Jahren.

Fairerweise gehört zur Einordnung auch: Verglichen mit vielen deutschen Neubaugebieten ist Freiham außergewöhnlich gut dokumentiert und planerisch durchdacht – vom Mobilitätskonzept über die Geothermie bis zum Stadtteilmanagement, das den Übergang von der Baustelle zum lebendigen Quartier organisiert. Die offenen Fragen liegen weniger im Konzept als in den Zeiträumen.

Häufige Fragen zu Freiham (FAQ)

Wann ist Freiham fertig?

Die Landeshauptstadt München plant die Fertigstellung des Gesamtprojekts bis zum Jahr 2040. Gebaut wird in mehreren Abschnitten; der erste Wohnabschnitt ist seit 2019 bezogen, der zweite Realisierungsabschnitt mit rund 6.200 Wohnungen erhielt im März 2026 den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan.

Wie viele Menschen sollen in Freiham leben?

Im Endausbau sind über 11.000 bis 11.500 Wohnungen für mehr als 25.000 Menschen geplant, dazu rund 15.000 Arbeitsplätze. Stand März 2026 leben rund 8.500 Einwohner in dem neuen Stadtteil – also etwa ein Drittel der Zielgröße.

Wann kommt die U-Bahn nach Freiham?

Die Verlängerung der U5 vom Laimer Platz über Pasing nach Freiham befindet sich seit 2024 im Bau. Die Inbetriebnahme ist nach aktuellem Stand (07/2026) zwischen 2035 und 2040 vorgesehen. Bis dahin sind die Bewohner vor allem über die S-Bahn-Linie S8 und Busse angebunden, ergänzt durch ein autoreduziertes Mobilitätskonzept mit Carsharing und Bikesharing.

Was kostet der Ausbau von Freiham?

Die letzte bekannte Schätzung nennt rund 1,66 Milliarden Euro Gesamtkosten – sie stammt allerdings aus dem Jahr 2019. Eine aktualisierte Zahl, die die seither gestiegenen Baukosten abbildet, liegt bislang nicht vor. Die Schätzung betrifft vor allem die städtische Infrastruktur, nicht die Baukosten der privaten Wohnungsbauprojekte im Stadtteil.

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