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Urban Tech Republic Berlin TXL: 20.000 Arbeitsplätze im alten Flughafen Tegel – Hochschule erst 2035?

Die Urban Tech Republic in Berlin TXL soll bis zu 20.000 Arbeitsplätze schaffen. Überblick zu Stand, Kosten und Kritik am Projekt auf dem ehemaligen Flughafen Tegel.

Immobilien Heute Redaktion 13 Min. Lesezeit
Startseite der Urban Tech Republic mit Visualisierung des Forschungs- und Industrieparks im ehemaligen Flughafen Tegel

Das Projekt urban tech republic ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Deutschlands: Auf dem ehemaligen Flughafen Tegel entsteht ein Forschungs- und Industriepark, der langfristig bis zu 1.000 Unternehmen mit rund 20.000 Arbeitsplätzen beherbergen soll. Damit steht das Projekt in einer Reihe mit anderen großen Berliner Entwicklungsarealen wie der Europacity am Hauptbahnhof. Mit dem Spatenstich für den Umbau des Terminal A zum Hochschulcampus im Juli 2026 und dem Baustart des Schumacher Quartiers im September 2026 ist das Projekt in die sichtbare Bauphase eingetreten. Zugleich mehren sich Fragen zu Kosten und Zeitplan: Während offizielle Stellen die Fertigstellung des BHT-Campus für 2031 nennen, berichten Medien unter Berufung auf interne Senatsdokumente von einer möglichen Verschiebung auf 2035.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Auf rund 500 Hektar des ehemaligen Flughafens Tegel entstehen der Forschungs- und Industriepark Urban Tech Republic (ca. 202 Hektar) und das Wohnquartier Schumacher Quartier.
  • Ziel sind bis zu 1.000 Unternehmen mit insgesamt rund 20.000 Arbeitsplätzen.
  • Träger ist die landeseigene Berlin TXL Management GmbH (vormals Tegel Projekt GmbH).
  • Spatenstich Terminal A / Campus TXL: Juli 2026; Baustart Schumacher Quartier: September 2026 mit 328 Wohnungen, Bezug ab Ende 2028.
  • Kosten und Termine sind umstritten: Offiziell gelten rund 450 Millionen Euro und ein BHT-Einzug 2031; Medienberichte warnen vor bis zu 833 Millionen Euro und einer Verschiebung auf 2035.

Urban Tech Republic im Steckbrief

Die wichtigsten Kennzahlen des Projekts im Überblick – jeweils mit Stand und Quelle:

KennzahlWertStand / Quelle
StandortEhemaliger Flughafen Tegel, Berlin-ReinickendorfFlughafenschließung November 2020
Gesamtareal Berlin TXLca. 500 HektarBerlin TXL Management GmbH, 2026
Urban Tech Republic (Teilfläche)ca. 202 HektarBerlin TXL Management GmbH, 2026
Ziel Unternehmen / Arbeitsplätzebis zu 1.000 Unternehmen, rund 20.000 ArbeitsplätzeBerlin TXL Management GmbH, 2026
Schumacher Quartierüber 5.000 Wohnungen für mehr als 10.000 Menschen auf 46 HektarBerlin TXL Management GmbH, 2026
TrägerschaftBerlin TXL Management GmbH (landeseigen, vormals Tegel Projekt GmbH)tegelprojekt.de, 2026
Kosten Terminal-A-Umbauursprünglich rund 450 Mio. Euro; laut Medienberichten bis zu 833 Mio. EuroTagesschau 2026 / aviation.direct (Sekundärquelle)
Fertigstellung BHT-Campusursprünglich 2027, danach 2030 kommuniziert; offiziell 2031 bzw. 2032 (Hauptbaumaßnahme); laut Medienberichten droht 2035Tagesschau / entwicklungsstadt.de 2026 vs. aviation.direct
Spatenstiche 2026Terminal A: Juli 2026; Schumacher Quartier: September 2026Senatsverwaltung / degewo, 2026

Die Spanne bei Kosten und Terminen ist kein Redaktionsversehen, sondern spiegelt die tatsächliche Quellenlage – dazu später mehr.

Infografik: Urban Tech Republic im Steckbrief Kennzahl: Standort | Wert: Ehemaliger Flughafen Tegel, Berlin-Reinickendorf | Stand /...

Was ist die Urban Tech Republic auf dem ehemaligen Flughafen Tegel?

Nach der Schließung des Flughafens Tegel im November 2020 stand in Berlin-Reinickendorf ein rund 500 Hektar großes Areal zur Nachnutzung bereit. Auf gut 202 Hektar entsteht mit der Urban Tech Republic ein Forschungs- und Industriepark für urbane Technologien. Sechs Themenfelder stehen dabei im Mittelpunkt: Mobilität, Energie, Werkstoffe, Informations- und Kommunikationstechnologie, Recycling und Wasser. Unternehmen sollen hier nicht nur forschen und entwickeln, sondern auch produzieren und testen – ein Ansatz, der den Standort von reinen Büro- oder Gründercampussen abgrenzt.

Ein Kernstück ist das ehemalige Terminal A, das zum Campus TXL der Berliner Hochschule für Technik (BHT) umgebaut wird. Künftig sollen dort rund 2.500 Studierende lernen und forschen; insgesamt rechnet die Projektgesellschaft mit bis zu 5.000 Studierenden auf dem Campus Berlin TXL. Ergänzt wird der Gewerbe- und Forschungsstandort durch das Schumacher Quartier mit über 5.000 Wohnungen sowie einen Landschaftsraum, den Grün Berlin entwickelt.

Trägerschaft: Von der Tegel Projekt GmbH zur Berlin TXL Management GmbH

Entwickelt wird das Gesamtareal von der landeseigenen Berlin TXL Management GmbH. Die Gesellschaft firmierte zuvor als Tegel Projekt GmbH – ältere Veröffentlichungen und auch manche Visualisierungen tragen daher noch den alten Namen. Inhaltlich handelt es sich um dieselbe Entwicklungsgesellschaft mit Sitz auf dem Areal (Urban Tech Republic, Gebäude V, Flughafen Tegel 1, 13405 Berlin).

Die Gesellschaft bündelt die Entwicklung von Forschungspark, Schumacher Quartier und den übrigen Nutzungsbausteinen und ist zugleich Vermarkter der Gewerbeflächen. Für Projektentwickler und Investoren ist sie damit die erste Adresse, wenn es um Grundstücke und Mietflächen auf Berlin TXL geht.

Projektseite der Berlin TXL Management GmbH (ehemals Tegel Projekt GmbH) mit Kennzahlen und Kontaktdaten zur Urban Tech Repub

Spatenstiche 2026: Terminal A / Campus TXL und Schumacher Quartier

Im Juli 2026 fiel der offizielle Startschuss für den Umbau des Terminal A zum BHT-Campus. Bauherrin ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen; mit der Generalplanung ist seit 2017 das Büro agn Niederberghaus & Partner beauftragt. Nach Angaben von Senat und Tagesschau belaufen sich die Gesamtkosten auf rund 450 Millionen Euro; Berichten zufolge soll ein Bundesanteil von rund 170 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität kommen – ein Posten, der in den vorliegenden Primärquellen nicht belegt ist. Als Fertigstellung der Hauptbaumaßnahme nennen die Primärquellen 2031 beziehungsweise 2032; Berlin.de spricht von „circa 2030“.

Rund fünf Wochen später, im September 2026, startete mit dem Schumacher Quartier der Wohnungsbau auf dem Areal. Die degewo realisiert gemeinsam mit B&O in den Baulosen 12 und 28 zunächst 328 Wohnungen; der Bezug ist ab Ende 2028 geplant. Es ist der erste sichtbare Baustart in einem Quartier, das perspektivisch mehr als 10.000 Menschen beherbergen soll.

Kosten und Zeitplan: Zwischen offiziellem Optimismus und kritischen Medienberichten

Bei zwei Punkten gehen offizielle Kommunikation und Medienberichte deutlich auseinander – für eine belastbare Einordnung lohnt der Blick auf die Quellen.

Kosten des Terminal-Umbaus: Die offiziell kommunizierte Größenordnung liegt bei rund 450 Millionen Euro, so unter anderem Tagesschau und Fachmedien zum Spatenstich im Juli 2026. Das Nachrichtenportal aviation.direct berichtet unter Berufung auf interne Senatsdokumente von möglichen Gesamtkosten von bis zu 833 Millionen Euro. Zudem sei bislang nur ein Bruchteil der Mittel – dem Bericht zufolge rund 70 Millionen Euro für die Jahre 2026 bis 2028 – im Landeshaushalt bereitgestellt. Diese Zahlen stammen aus einer Sekundärquelle und sind vom Senat nicht bestätigt; sie sollten daher als Risikoszenario, nicht als beschlossene Tatsache gelesen werden. Hintergrund ist auch, dass die Finanzierung Berichten zufolge zu einem erheblichen Teil auf Bundesmitteln aus dem Sondervermögen beruhen soll – ein Posten, der sich auf die Gesamtkosten auswirkt, aber nicht aus dem Landeshaushalt kommt.

Einzug der Hochschule: Ursprünglich war ein BHT-Einzug um 2027 vorgesehen, anschließend wurde 2030 als Zieljahr kommuniziert; offiziell werden inzwischen 2031 beziehungsweise 2032 als Fertigstellung der Hauptbaumaßnahme genannt. Dasselbe aviation.direct berichtet mit Verweis auf Tagesspiegel- und rbb-Berichte von einer drohenden Verschiebung auf 2035. Auch hier gilt: 2031/2032 ist der offiziell bestätigte Stand, 2035 eine medial kolportierte Risikoperspektive. Für die Immobilienwirtschaft ist die Unterscheidung relevant, weil der Hochschulcampus als Frequenzbringer und Anker des Forschungsparks geplant ist – jede Verschiebung verzögert die kritische Masse am Standort. Solche Zielkonflikte zwischen Ankündigung und Realisierung sind bei Großprojekten kein Einzelfall – die Bilanz der HafenCity Hamburg nach 25 Jahren zeigt, dass sich Zeitpläne bei Entwicklungen dieser Größenordnung regelmäßig über Jahrzehnte strecken.

Holzbau im Schumacher Quartier: Das Konzept sieht Niedrigenergiegebäude in Holzbauweise aus heimischem Holz vor. Für die Bauweise werden Mehrkosten in der Größenordnung von rund 20 Prozent gegenüber konventioneller Bauweise diskutiert; diese Zahl ist bislang nicht durch eine Primärquelle belegt und damit als grobe, im Raum stehende Größenordnung einzuordnen. Ob und wie die Mehrkosten die Finanzierung des Quartiers belasten, ist derzeit offen.

Schumacher Quartier: Holzbauquartier für mehr als 10.000 Menschen

Auf 46 Hektar am Rande des ehemaligen Flugfelds entstehen mehr als 5.000 Wohnungen für über 10.000 Menschen. Geplant ist ein Niedrigenergiequartier in Holzbauweise aus heimischem Holz – eine der größten zusammenhängenden Holzbau-Entwicklungen Deutschlands. Das Quartier gilt als ökologisches und soziales Modellprojekt und ist als autoarmes Quartier konzipiert. Vergleichbare neue Wohnquartiere am Berliner Stadtrand sind die Buckower Felder in Neukölln, wo ebenfalls ein großes Neubaugebiet entsteht.

Bemerkenswert für die Branche ist das Vergabemodell für die Grundstücke. Berichten zufolge soll es folgendermaßen aussehen – ein Primärbeleg in den vorliegenden Projektquellen fehlt allerdings, sodass die Angaben mit Vorsicht zu genießen sind:

  • 50 Prozent gehen an landeseigene Wohnungsbaugesellschaften wie die degewo,
  • 40 Prozent an Genossenschaften und Baugruppen,
  • 10 Prozent an Träger besonderer Wohnformen.

Sofern sich dieses Modell bestätigt, begrenzt es den Marktzugang für private Projektentwickler und institutionelle Investoren deutlich – wer im Schumacher Quartier bauen will, täte dies vorrangig über genossenschaftliche oder gemeinschaftliche Strukturen.

Verkehrsanbindung: Autoarm, aber ohne gesicherte Schienenanbindung

Die derzeitige Erschließung des Areals erfolgt über Buslinien. Eine Schienenanbindung – diskutiert werden Verlängerungen bestehender U-Bahn-Linien – befindet sich in der Planung, ist aber nicht gesichert. Für einen Gewerbestandort mit 20.000 Ziel-Arbeitsplätzen und ein Wohnquartier für über 10.000 Menschen ist das ein struktureller Schwachpunkt, den Nutzer und Ansiedler bei Standortentscheidungen berücksichtigen sollten.

Gewerbeflächen und weitere Bausteine: Vermarktung, Terminal B und D

Für Projektentwickler und Investoren ist der Start der Grundstücksvermarktung durch die Berlin TXL Management GmbH die konkreteste Information des Jahres 2026. Das erste Baugrundstück, „GE West 1“ mit 6.911 m², steht nach Angaben der Projektgesellschaft ab Februar 2026 zur Verfügung:

ZeitraumVermarktung
ab Februar 2026erstes Baugrundstück „GE West 1“, ca. 6.911 m², voll erschlossen
noch 2026ein weiteres Baugrundstück geht in die Vermarktung

Die Angaben – Quelle: Exposé der Berlin TXL Management GmbH zum Grundstück „GE West 1“, Stand 2026 – zeigen, dass der eigentliche Flächenhochlauf in den kommenden Jahren erwartet wird – parallel zum Fortschritt des Hochschulcampus. Konkrete Flächengrößen für Folgejahre sind bislang nicht durch offizielle Quellen belegt.

Neben Terminal A sind zwei weitere Terminalgebäude konkret eingeplant: Terminal B soll ein Gründungs- und Innovationszentrum mit Eventflächen und Makerspaces werden (Baustart circa 2028, Betrieb circa 2031). Terminal D ist als Technologiezentrum für Mobilität, Künstliche Intelligenz und Robotik vorgesehen. Zusätzlich zieht die neue Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienstakademie auf das Gelände. Der Standort entwickelt sich damit nicht als monofunktionaler Gewerbepark, sondern als Gemengelage aus Forschung, Produktion, Gründung und öffentlicher Infrastruktur. Wie Start-ups auf dem Gelände bereits an Drohnen und autonomer Mobilität arbeiten, beschreibt VISION mobility.

FAQ zur Urban Tech Republic

Wer ist Träger der Urban Tech Republic?

Die landeseigene Berlin TXL Management GmbH, die zuvor als Tegel Projekt GmbH firmierte. Ältere Quellen verwenden noch den früheren Namen; es handelt sich um dieselbe Gesellschaft.

Wie viele Arbeitsplätze sollen entstehen?

Zielgröße sind bis zu 1.000 Unternehmen mit rund 20.000 Arbeitsplätzen im Forschungs- und Industriepark, ergänzt durch über 5.000 Wohnungen im Schumacher Quartier (Stand der Planung: 2026).

Wann zieht die Hochschule für Technik ein?

Offiziell nennen Senat und Tagesschau als Fertigstellung der Hauptbaumaßnahme 2031 beziehungsweise 2032; Berlin.de spricht von circa 2030. Medienberichte, die sich auf interne Senatsdokumente berufen, warnen vor einer Verschiebung auf 2035 – dieser Termin ist bislang nicht offiziell bestätigt.

Wie ist das Areal verkehrlich angebunden?

Aktuell über Buslinien. Eine Schienenanbindung ist in Planung, aber nicht gesichert. Das Schumacher Quartier ist als autoarmes Quartier konzipiert.

Für die Immobilienbranche bleibt die Urban Tech Republic damit ein Projekt mit zwei Gesichtern: ein selten großes, planbar erschlossenes Entwicklungsareal in der Hauptstadt – und ein Zeitplan, dessen Belastbarkeit von der Finanzierung des Terminal-Umbaus abhängt. Der weitere Verlauf der Grundstücksvermarktung wird zeigen, ob die Nachfrageseite dem Angebot folgt.

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